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Wozu etwas wissen, wenn es im Internet steht?

15. April 2011 | Autor: viktor | abgelegt in Allgemein

Was wissen wir, was können wir wissen?
Gerne beginnt man die Diskussion der epistemologischen Grundlagen bei Platon und Aristoteles. Für Platon gibt es Wissen, dass nicht durch unsere Sinneswahrnehmungen erklärt werden muss. Aristoteles unterscheidet zwischen theoretischem Wissen als Ergebnis des Denkens und praktischem Wissen, das aus der Erfahrung herkommt.

Wissen kann an zukünftige Generationen weitergegeben werden. Sei es durch Lagerfeuergeschichten, durch Ammenmärchen, durch genetische Disposition oder auch schriftlich und seit ein paar Jahrzehnten auch durch die sogenannten neuen Medien, allen voran das Internet.

Noch aus der Vor-Internetzeit stammt ein Bonmot von Umberto Eco, der sagte, dass er sich im Mittelalter besser auskenne als in der Jetzt-Zeit. Das Mittelalter kenne er aus erster Hand (damit bezog er sich auf die überlieferten Quellen), wohingegen das Heute lediglich durch das Fernsehen zugänglich sei.

Fernsehen hat an Bedeutung verloren. Gedrucktes hat an Bedeutung verloren. Das Internet ist der allgegenwärtige Wissensträger. Hieß es früher, dass das Sein das Bewusstein präge, so gilt nun die Devise, dass die virtuelle Welt das Sein prägt. Versuchen  Sie einmal einem Lastwagenfahrer zu erklären, dass er sich auf einem Waldweg befindet wenn ihm sein Routenplaner eine Durchgangsstraße versprochen hat.

Nicholas Carr, ein trendy Autor und Sich-Gedanken-Macher, beschreibt die eine Seite der sich daraus ergebenden Konsequenzen in seinem Büchlein mit dem Untertitel What the Internet is doing to our Brains. Man vermutet zu Recht: nichts Gutes. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Wenn uns Wissen allgegenwärtig extern zur Verfügung steht, so brauchen wir uns selbst damit nicht zu belasten. Bei Stromausfall sind wir halt dumm wie Bohnenstroh und wissen nicht einmal mehr, woher diese Floskel kommt.

Der Paradigmen-Wechsel ist offensichtlich. Nicht was ich aktuell weiß ist wesentlich, sondern was ich mir zügig aneignen kann. Und das ist potenziell so gut wie alles. Gunter Dueck, ebenfalls ein trendy Sich-Gedanken-Macher, aber weitaus scharfsinniger und spöttischer als manch anderer, sieht Chanchen. Nicht mehr der Technokrat mit seinem Faktenwissen sei entscheidend, denn das Faktenwissen gäbe es im Internet. Dueck sieht soziale Fähigkeiten wie “Empathie”, das Sich-Einfühlen-Können, mehr und mehr in den Vordergrund treten. Unterhaltsam, provokant sowie zum Nachdenken anregend:

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