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Artikel Tagged ‘cognitive apprenticeship’

Wissenschaft spricht eine klare Sprache

8. Mai 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Allgemein

Wissenschaftler brauchen wohldefinierte Begriffe, um sich verständlich und eindeutig ausdrücken zu können. Das ist ein hohe Kunst, die nicht jeder beherrscht. Das wusste auch schon Goethes Mephistopheles:

Denn eben wo Begriffe fehlen,
da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
mit Worten ein System bereiten,
an Worte läßt sich trefflich glauben,
von einem Wort läßt sich kein Iota rauben.

Ein weiteres, besonders gut gelungenes Beispiel findet sich in folgendem Text, wozu uns leider die Autoren gerade nicht zur Hand sind:

Bei cognitive apprenticeship werden in der Lernumgebung verschiedene Qualitäten und Grade der äußeren Anleitung berücksichtigt; Lernende erwerben über authentische Aktivitäten und soziale Interaktion inhaltliches, domänenspezifisches Wissen sowie strategisches Wissen und werden dadurch in die Expertenpraxis eingeführt. Das Lernen beginnt an globalen Problemstellungen, damit die Lernenden einen konzeptuellen Rahmen von dem, was zu lernen ist, aufbauen können.
Die Lernumgebung wird dann zunehmend komplexer und unterschiedlicher gestaltet. Indem immer wieder verschiedene Kontexte herangezogen werden, erwerben die Lernenden die Fähigkeit, das erworbene Wissen flexibel anzuwenden. Zentral ist dabei stets der sozial-kommunikative Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden sowie zwischen den Lernenden untereinander: Durch kooperatives Lernen und Arbeiten können sich die Lernenden zu echten Mitgliedern der Expertenkultur entwickeln.

Man macht sich da so seine Gedanken.

Einerseits begeistert es zu sehen, welch ungeahnte Verbindungen Adjektive mit Substantiven eingehen können. Andererseits will uns überhaupt kein Beispiel einer nicht authentischen Aktivität einfallen, jedenfalls soweit es sich nicht bereits um eine soziale Interaktion handelt. Da zeigt sich unser laienhafter Verstand.

Oder sind hier einfach authentische soziale Interaktionen gemeint? Oder, noch einfacher, könnte man das “authentisch” streichen ohne an wissenschaftlicher Präzision zu verlieren?

Über “globale Problemstellungen” (im Zitat der nächste Satz) getrauen wir uns noch gar nicht nachzudenken. Es wäre zu befürchten, dass es sich hier um Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest handeln könnte. Wohl verstehen wir, dass man in der Tat für diese Antwort einen konzeptuellen Rahmen benötigt, der zunehmend komplexer und unterschiedlicher gestaltet wird, so dass sich schließlich unter Berücksichtigung der Zentralität des sozial-kommunikativen Austauschs ein echtes Mitglied der Expertenkultur entwickelt.

Oder, wie war apprenticeship gemeint?

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