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Archiv für die Kategorie ‘Psychologie’

Entscheidungen (2) Ziele und Zielsetzung

30. Oktober 2011 | Autor: viktor | abgelegt in Psychologie

Entscheidungen setzen einen Zielsetzung voraus, vielleicht auch einen Maßstab um auszumessen, welche mögliche Alternative unseren Zielen am nächsten kommt. So glauben wir, so glauben viele. Vielleicht verläuft der Prozess aber nicht selten genau anders herum.

Zu vermuten wäre, dass wir zumeist unsere Ziele gar nicht kennen, sondern diese erst im Verlaufe der Zeit durch Eigenbeobachtung herausbekommen. Wir beobachten unser Handeln und schließen daraus auf unsere Ziele.

Im Vorwort zur zweiten Ausgabe des Klassikers “Organizations” (March und Simon 1958) schreiben March und Simon 1990, damals beide etwas vorgerückten Alters:

But perhaps the most conspicious way in which we would elaborate the conception of goals … is to recognize more explicitly the fact that actions may produce goals as readily as goals produce actions. …
If we ask someone learned in music how we can advance our musical tastes, we will probably be told to listen to more music. In the same way, we learn what we want from life … by living. …

We create our wants, in part, by experiencing our choices.

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Entscheidungen (1)

24. Oktober 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Psychologie

Das passende Verb zum Substantiv Entscheidungen scheint treffen zu sein: Entscheidungen werden getroffen. Doch, ist das wirklich so? Werden Entscheidungen nicht eher beobachtet?
Rationalität gebietet, sich bei anstehenden Entscheidungen vorab klar zu werden über die Zielkriterien: was soll erreicht werden? Der Rest scheint klassische Optimierung und Informationsverarbeitung zu sein. Nachdem die Zielkriterien klar sind, erfolgt auf der Grundlage der vorhandenen Informationen ein Abwägeprozess. Die wie immer auch quantifizierte beste Alternative bildet die Grundlage der Entscheidung. So einfach ist das. Ist es das, was wir bei uns selbst und um uns herum beobachten? Das darf bezweifelt werden.

Für eine ausführliche psychologische Betrachtung des Themas vgl. etwa (Jungermann, Pfister, & Fischer, 2009).
Das Entscheidungsproblem stellt sich auf mehreren Ebenen:

  1. Mikroebene: das Individuum, der Einzelne
  2. Mesoebene: die sozialen Gruppen des Individuums (Familie, Sportverein, Arbeitsgruppe, …)
  3. Makroebene: Organisationen wie Unternehmen, politische Parteien, Gemeinwesen …)
    In der Arbeitswelt sieht sich das Individuum simultan mit allen drei Ebenen konfrontiert. Nehmen wir als einfaches Beispiel die Entscheidung, einem bestimmten Unternehmen als Mitarbeiter beizutreten oder auch die Entscheidung, bei einem bestimmten Unternehmen weiterhin beschäftigt zu bleiben oder auch nicht.

In ihrem klassischen Werk Organizations (March & Simon, 1958) heißt es:

The basic ideas that humans make choices and that these choices are informed by assessing alternatives in term of their consequences underlies much of contemporary social science, not to mention “common sense”. This idea, particularly as it is manifested in the dogmas of neoclassical economics, has often been criticized as providing neither an accurate nor an attractive portrayal of the human spirit. Many authors have suggested that human beings are not capable of achieving perfect rationality. Fewer, but with compensating fervor, have suggested that the pursuit of rationality leads systematically to less intelligent behavior than do other decision methods.

(Gigerenzer, 2007) ist ein moderner Vertreter der zuletzt genannten Kategorie. Bauchentscheidungen lautet der Titel seines Buchs.

Gigerenzer, G. (2007). Bauchentscheidungen: die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition (3.
   Aufl. 2008)
. München: Goldmann.
Jungermann, H., Pfister, H.-R., & Fischer, K. (2009). Die Psychologie der Entscheidung: Eine Einführung (3. Aufl.).
   Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
March, J. G., & Simon, H. A. (1958). Organizations (2. Aufl. 1993). Cambridge, MA: Blackwell.

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Scaffolding

10. Mai 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Psychologie

Der Aufsatz The role of tutoring in Problem solving (D. Wood, J. Bruner & G. Ross, 1976) beschäftigt sich mit the means whereby an adult or “expert” helps somebody who is less adult or less expert.

Über die Rolle des Tutors, genauer, die Art und Weise wie einer folgreicher Tutoring-Prozess abläuft,  schreiben die Autoren:

More often than not, it involves a kind of “scaffolding” process that enables a child or novice to solve a problem, carry out a task or achieve a goal which would be beyond his unassisted efforts. This scaffolding consists essentially of the adult “controlling” those elements of the task that are initially beyond the learner’s capacity, thus permitting him to concentrate upon and complete only those elements that are within his range of competence.

Dieser harmlose Satz sowie der augenfällig vernünftige Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe veranlasste Nachfolgende, daraus eine ganze Theorie zu basteln, die Theorie des Scaffolding. Mehr dazu etwa hier.

Und so spricht man heute an manchen Stellen von Coaching und Scaffolding.

Welch  herrlich doppelbödige Bezeichnung.

Hier die Erläuterung aus dem Grimmschen Wörterbuch:

SCHAFFOT, n. schau-, blutgerüst, auch schafott, schafot, schaffott, in
älterer zeit
schavotgeschrieben, aus franz. échafaud, der
genauen entsprechung von ital.
catafalco. Diez4 92. selten
im allgemeinen sinne von schaugerüst …

sonst blutgerüst: darauf ward er (Karl I.) am 10. januarii nacher nach dem schavott auf Tourhill gebracht, und endigte daselbst sein leben.

The coach was scaffolding his client.

 

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