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Entscheidungen (1)

24. Oktober 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Psychologie

Das passende Verb zum Substantiv Entscheidungen scheint treffen zu sein: Entscheidungen werden getroffen. Doch, ist das wirklich so? Werden Entscheidungen nicht eher beobachtet?
Rationalität gebietet, sich bei anstehenden Entscheidungen vorab klar zu werden über die Zielkriterien: was soll erreicht werden? Der Rest scheint klassische Optimierung und Informationsverarbeitung zu sein. Nachdem die Zielkriterien klar sind, erfolgt auf der Grundlage der vorhandenen Informationen ein Abwägeprozess. Die wie immer auch quantifizierte beste Alternative bildet die Grundlage der Entscheidung. So einfach ist das. Ist es das, was wir bei uns selbst und um uns herum beobachten? Das darf bezweifelt werden.

Für eine ausführliche psychologische Betrachtung des Themas vgl. etwa (Jungermann, Pfister, & Fischer, 2009).
Das Entscheidungsproblem stellt sich auf mehreren Ebenen:

  1. Mikroebene: das Individuum, der Einzelne
  2. Mesoebene: die sozialen Gruppen des Individuums (Familie, Sportverein, Arbeitsgruppe, …)
  3. Makroebene: Organisationen wie Unternehmen, politische Parteien, Gemeinwesen …)
    In der Arbeitswelt sieht sich das Individuum simultan mit allen drei Ebenen konfrontiert. Nehmen wir als einfaches Beispiel die Entscheidung, einem bestimmten Unternehmen als Mitarbeiter beizutreten oder auch die Entscheidung, bei einem bestimmten Unternehmen weiterhin beschäftigt zu bleiben oder auch nicht.

In ihrem klassischen Werk Organizations (March & Simon, 1958) heißt es:

The basic ideas that humans make choices and that these choices are informed by assessing alternatives in term of their consequences underlies much of contemporary social science, not to mention “common sense”. This idea, particularly as it is manifested in the dogmas of neoclassical economics, has often been criticized as providing neither an accurate nor an attractive portrayal of the human spirit. Many authors have suggested that human beings are not capable of achieving perfect rationality. Fewer, but with compensating fervor, have suggested that the pursuit of rationality leads systematically to less intelligent behavior than do other decision methods.

(Gigerenzer, 2007) ist ein moderner Vertreter der zuletzt genannten Kategorie. Bauchentscheidungen lautet der Titel seines Buchs.

Gigerenzer, G. (2007). Bauchentscheidungen: die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition (3.
   Aufl. 2008)
. München: Goldmann.
Jungermann, H., Pfister, H.-R., & Fischer, K. (2009). Die Psychologie der Entscheidung: Eine Einführung (3. Aufl.).
   Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
March, J. G., & Simon, H. A. (1958). Organizations (2. Aufl. 1993). Cambridge, MA: Blackwell.