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Archiv für Mai, 2011

Dr. Knies und der Tod

22. Mai 2011 | Autor: viktor | abgelegt in Allgemein

Ein Zeichen des vorgerückten Alters ist, dass man sich der früheren Jahre erinnert und der Menschen, die einem dort begegnet sind. Dazu gehören bevorzugt Lehrer. Dr. Knies war ein solcher.
Überzeugter Reno Raucher, vor allen Dingen Religionslehrer. Er duzte uns und bestand auf dem Dr. vor dem Knies.

Evangelische Religion. Oberstufe, Ende der 1960er Jahre. Ein kleines Grüpplein derer, die das Fach nicht abgewählt hatten. Hauptgrund: Dr. Knies. Kein Jesus Christus – ach wie gut ist unser Gott – Geseiche. Ein engangierter Lehrer mit einem humanistischen Weltbild und Sorge um das geistige Wohlergehen seiner Schüler. Jeder bekam ein kleines Büchlein mit Sprüchen von Tagore. Gemocht habe ich diese Sprüche weder damals noch heute, ich fand keinen Zugang dazu.

Was sucht ein junger Mensch mit 16 bis 18 Jahren? Die Auseinandersetzung, das Erproben eigener Ideen, das Infragestellen des Hergebrachten.

Dr. Knies stellte sich diesen Herausforderungen. Wir stritten mit ihm. Wir verehrten und beschimpften ihn. Manchmal litt er unter der Ignoranz der Jugend.

Dr. Knies forderte uns. Wie sehr wir eigentlich am Leben hingen. Was wir wohl tun würden, wenn wir wüssten, dass wir morgen sterben würden? Verhaltenes Lachen und Glucksen. Betroffenes Schweigen auch.

Die Frage hat angeregt, hat uns bewegt. In guten und auch zu anderen Zeiten: Was würde man anders machen, wenn man wüsste, dass … ? Seither begleitet mich die Erinnerung an Dr. Knies. Immer wieder habe ich mir das “dass … ?” vorgehalten und Antwortversuche durchdacht. Es hat geholfen, schwierige Situationen zu überwinden. Zwei Leitplanken sind hinzugekommen, die zusätzlich Halt geben können:

Zum einen das Luther zugeschriebene Apfelbäumchenzitat:
Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen!

Zum andern Hermann Hesses Stufengedicht:

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
 

Dr. Knies sei Dank, der selbst leider viel zu früh an Lungenkrebs verstarb.

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Scaffolding

10. Mai 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Psychologie

Der Aufsatz The role of tutoring in Problem solving (D. Wood, J. Bruner & G. Ross, 1976) beschäftigt sich mit the means whereby an adult or “expert” helps somebody who is less adult or less expert.

Über die Rolle des Tutors, genauer, die Art und Weise wie einer folgreicher Tutoring-Prozess abläuft,  schreiben die Autoren:

More often than not, it involves a kind of “scaffolding” process that enables a child or novice to solve a problem, carry out a task or achieve a goal which would be beyond his unassisted efforts. This scaffolding consists essentially of the adult “controlling” those elements of the task that are initially beyond the learner’s capacity, thus permitting him to concentrate upon and complete only those elements that are within his range of competence.

Dieser harmlose Satz sowie der augenfällig vernünftige Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe veranlasste Nachfolgende, daraus eine ganze Theorie zu basteln, die Theorie des Scaffolding. Mehr dazu etwa hier.

Und so spricht man heute an manchen Stellen von Coaching und Scaffolding.

Welch  herrlich doppelbödige Bezeichnung.

Hier die Erläuterung aus dem Grimmschen Wörterbuch:

SCHAFFOT, n. schau-, blutgerüst, auch schafott, schafot, schaffott, in
älterer zeit
schavotgeschrieben, aus franz. échafaud, der
genauen entsprechung von ital.
catafalco. Diez4 92. selten
im allgemeinen sinne von schaugerüst …

sonst blutgerüst: darauf ward er (Karl I.) am 10. januarii nacher nach dem schavott auf Tourhill gebracht, und endigte daselbst sein leben.

The coach was scaffolding his client.

 

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Privacy

9. Mai 2011 | Autor: viktor | abgelegt in Allgemein

Heute hat die Volkszählung begonnen. Pflichtschuldigst werden an der ein oder andern Stelle Bedenken geäußert. 1987 war das anders.

Das Internet hat unsere Einstellung verändert. Auf der einen Seite sind wir sensibel geworden. Nicht alle Daten gehören in die Öffentlichkeit. Vor allem solche nicht, die uns kompromitieren könnten, das haben wir verstanden. Auch solche nicht, die wie eine Einladung zur mißbräuchlichen Nutzung ausschauen könnten.

Aber darüber hinaus?

Das Internet macht aus der Welt ein Dorf, so war schon vor mehr als zehn Jahren zu hören. Kann man sich in einem Dorf verstecken? Weniger gut. Wer wahrgenommen werden will, der muss schon irgendwie auch etwas von sich preisgeben. Sonst macht Kommunikation keinen Sinn. Einen Namen zumindest. Selbst wenn es sich um einen Decknamen handelt. Mit wievielen verschiedenen Identitäten kann der Mensch umgehen? Zwei, drei, vier vielleicht. Danach wird es unübersichtlich.

Und machmal heißt es einfach: Ich bin ich. Und hier stehe ich, und dazu stehe ich.

Wie zu hören war, wird diesmal nicht jeder gezählt, sondern nur eine repräsentative Auswahl, etwa jeder Zehnte. So wird es sein: jetzt, wo ich die Volkszählung, pardon, den Zensus unterstützen würde, jetzt kommt keiner. Dabei würde ich so gerne darauf aufmerksam machen, dass mein Jahrgang ein starker Jahrgang war und wohl immer noch ist. Es heißt sich sputen, die Heimplätze, die uns einmal aufnehmen sollen, müssen zum großen Teil erst noch gebaut werden und das Pflegepersonal noch geschult und eingestellt werden.

Na gut, vielleicht gehen unsere zukünftigen Pflegerinnen und Pfleger ja noch zur Schule oder in den Kindergarten. Wenn es gut läuft, so sind sie noch nicht einmal geboren, wer weiß.

Also einen Schritt zurück: bevor die Heimplätze für uns gebaut werden, ist es vielleicht doch vorrangiger, für eine gute Ausbildung unserer Kinder zu sorgen. Und die fängt nicht erst in der Schule an, sondern spätesten im Kindergarten, oder noch früher – U3, unter drei.

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Wissenschaft spricht eine klare Sprache

8. Mai 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Allgemein

Wissenschaftler brauchen wohldefinierte Begriffe, um sich verständlich und eindeutig ausdrücken zu können. Das ist ein hohe Kunst, die nicht jeder beherrscht. Das wusste auch schon Goethes Mephistopheles:

Denn eben wo Begriffe fehlen,
da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
mit Worten ein System bereiten,
an Worte läßt sich trefflich glauben,
von einem Wort läßt sich kein Iota rauben.

Ein weiteres, besonders gut gelungenes Beispiel findet sich in folgendem Text, wozu uns leider die Autoren gerade nicht zur Hand sind:

Bei cognitive apprenticeship werden in der Lernumgebung verschiedene Qualitäten und Grade der äußeren Anleitung berücksichtigt; Lernende erwerben über authentische Aktivitäten und soziale Interaktion inhaltliches, domänenspezifisches Wissen sowie strategisches Wissen und werden dadurch in die Expertenpraxis eingeführt. Das Lernen beginnt an globalen Problemstellungen, damit die Lernenden einen konzeptuellen Rahmen von dem, was zu lernen ist, aufbauen können.
Die Lernumgebung wird dann zunehmend komplexer und unterschiedlicher gestaltet. Indem immer wieder verschiedene Kontexte herangezogen werden, erwerben die Lernenden die Fähigkeit, das erworbene Wissen flexibel anzuwenden. Zentral ist dabei stets der sozial-kommunikative Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden sowie zwischen den Lernenden untereinander: Durch kooperatives Lernen und Arbeiten können sich die Lernenden zu echten Mitgliedern der Expertenkultur entwickeln.

Man macht sich da so seine Gedanken.

Einerseits begeistert es zu sehen, welch ungeahnte Verbindungen Adjektive mit Substantiven eingehen können. Andererseits will uns überhaupt kein Beispiel einer nicht authentischen Aktivität einfallen, jedenfalls soweit es sich nicht bereits um eine soziale Interaktion handelt. Da zeigt sich unser laienhafter Verstand.

Oder sind hier einfach authentische soziale Interaktionen gemeint? Oder, noch einfacher, könnte man das “authentisch” streichen ohne an wissenschaftlicher Präzision zu verlieren?

Über “globale Problemstellungen” (im Zitat der nächste Satz) getrauen wir uns noch gar nicht nachzudenken. Es wäre zu befürchten, dass es sich hier um Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest handeln könnte. Wohl verstehen wir, dass man in der Tat für diese Antwort einen konzeptuellen Rahmen benötigt, der zunehmend komplexer und unterschiedlicher gestaltet wird, so dass sich schließlich unter Berücksichtigung der Zentralität des sozial-kommunikativen Austauschs ein echtes Mitglied der Expertenkultur entwickelt.

Oder, wie war apprenticeship gemeint?

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Drown in my own tears

4. Mai 2011 | Autor: Trotzki | abgelegt in Töne

hier kommt ein Schmankerl für alle Slow-Blues-Fans, über das ich letztlich gestolpert bin: Jeff Beck mit seiner Stratocoster von Fender ertrinkt in seinen eigenen Tränen:

gez. Trotzki

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Neues aus Waldhagen: Konstituierende Sitzung der Gemeindevertretung

3. Mai 2011 | Autor: Bruno | abgelegt in Waldhagen

Am Montagabend (2. Mai) fand in der Waldhagenhalle die konstituierende Sitzung der neuen Waldhagener Gemeindevertretung statt. Erfreulich war das rege Interesse der Öffentlichkeit sowie die überwiegend sachliche Atmoshpäre der Diskussion.

Wie erwartet wurde der der Vorsitzende der Gemeindevertretung sowie der Ersten Beigeordneten der letzten Wahlperiode einstimmig wieder gewählt. Herzlichen Glückwunsch!

Die Wahl der Beigeordneten stellte den Vorsitzenden vor eine unerwartete Situation: Offensichtlich hatte ein Mitglied der C-Fraktion (CF) die Liste der G-Fraktion (GF) gewählt. Unklar blieb, ob dies als fraktionsinterner Protest gemeint war oder den künftigen Weg der CFandeuten sollte. Da nun aber sowohl die Liste der CF als auch die Liste der F-Fraktion (FF) jeweils sechs Stimmen erhalten hatten und nach dem vorgeschriebenen Hare-Niemeyer-Verfahren einer der beiden Fraktionen ein zweiter Sitz zustand, war dieser Sitz auszulosen. Das vorsitzende Mitglied meisterte diese Herausforderung professionell, sachlich und ruhig. Er widerstand der Versuchung des im Fußball üblichen Münzwurfs und legte die HGO wörtlich aus (entscheidet das vom Vorsitzenden zu ziehende Los). Sieger im Losverfahren blieb die C-Fraktion.

Kurios verlief die Diskussion über den Antrag der GF, den Gemeindevorstand damit zu beauftragen, einen umfassenden Überblick über die Situation der einzelnen Waldhagener Gewerbegebiete zu erstellen. Der Bürgermeister trug vor, dass dazu zunächst ein Gesellschafterbeschluss der EBW notwendig sei. Auch das vorsitzende Mitglied schloss sich dieser Meinung an und so wurde der Antrag der GF zwar einstimmig, aber mit einer Vorbehaltsklausel verabschiedet.

Es scheint unbekannt gewesen zu sein, dass die Gemeinde Waldhagen alleinige Gesellschafterin der EBW ist und dass der Gemeindevorstand die Gesellschafterversammlung der EBW  bildet. Schade eigentlich.  An dieser Stelle ist die HGO eindeutig: “Die Gemeindevertretung überwacht die gesamte Vewaltung der Gemeinde und die Geschäftsführung des Gemeindevorstands. … Der Gemeindevorstand ist verpflichtet, Anfragen der Gemeindevertreter zu beantworten.” Zum Glück leben wir in einer Gemeinde, in der die Dinge letztlich sachorientiert und pragmatisch entschieden werden. Im Bundestag hätten wohl alle Fraktionen nicht ganz zu Recht von einer Mißachtung des Parlaments gesprochen.

Einzig wirklich kontroverser Punkt blieb der gemeinsame Antrag von CF, FF und GF, die Hauptsatzung dahingehend zu ändern, dass der Gemeindevorstand um ein weiteres Mitglied vergrößert werde. Manche Redner sahen gar die Demokratie in Gefahr. Die Formulierung des ersten Satzes der Antragbegründung,  dass  das Ergebnis der Kommunalwahl eine Korrektur erfordere, war schon etwas unglücklich.  Auch wenn klar war, dass es um eine Anpassung der Hauptsatzung ging. Der eigentliche Hintergrund war schnell klar: Eine Fraktion (die SF) sah zwar die Haushaltskonsolidierung in Gefahr, schlug das Angebot, den Gemeindevorstand zu verkleinern aber aus: sie wolle ihre Machtposition nicht  schwächen.

Beim Antrag der GF, auf der Verbindungsstrecke zwischen Stonecreek und Alcreek (zwei Ortsteile von Waldhagen) eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h einzuführen, ging es sachlich und weitgehend einvernehmlich zu.  Gemeinsam war man der Meinung, dass dieser Straßenabschnitt durch die erfolgreiche Ansiedlung des REWE Marktes einen eher innerörtlichen Charakter erhalten habe, auf dem sich nicht nur zwei Bushaltestellen, sondern auch häufig benutzte Fußgängerquerungen befinden. Vertreter der SF und der CF bezweifelten, dass das ASV Schitt (als für die Landesstraße verantwortliche Behörde) zustimmen werde, hielten aber gleichwohl einen erneuten Vorstoß für sinnvoll. Die FF bezweifelte, dass man aus Richtung Alcreek kommend überhaupt gefahrenbringende Geschwindigkeiten erreichen könne und fanden dieses Argument so überzeugend, dass sie gegen den Antrag stimmten.

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Key to the Highway

1. Mai 2011 | Autor: Trotzki | abgelegt in Töne

… B.B. King (Baujahr 1925) zusammen mit Jeff Beck, vermutlich aus dem Jahr 2003.
Es ist einfach eine Freude zuzuhören und zu schauen, wenn man denn daran Freude hat:

gez. Trotzki

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